Geschichte
Die Anfänge um 1851
Die Wurzeln des Musikvereins reichen bis zu den Stadttürmern von Stadtsteinach zurück, die bereits seit dem 16. Jahrhundert belegt sind.
Neben ihrer Aufgabe als Wächter der Stadt musizierten sie regelmäßig von der Kirche aus und prägten so das musikalische Leben.
Im 19. Jahrhundert entwickelten sich aus diesen Traditionen erste Blaskapellen. 1868 ist erstmals eine Musikkapelle urkundlich nachgewiesen.
Ab 1889 kann von einer festen Formation gesprochen werden, die regelmäßig bei Festen und Anlässen auftrat.
Mit dem Brand der Stadtpfarrkirche im Jahr 1903 endete das Amt des Stadttürmers. Die musikalische Tradition jedoch lebte weiter und bildete die Grundlage für die spätere Vereinsgeschichte.
Die Zeit um die Weltkriege
Nach dem Ersten Weltkrieg formierte sich unter der Leitung von Michael Hohner die Stadtkapelle neu. Als Stadtmusikus prägte er das musikalische Leben maßgeblich und erhielt dafür eine feste Vergütung von der Stadt.
1934 gestaltete die Kapelle unter seiner Leitung zahlreiche offizielle Anlässe, darunter auch das „Fest der nationalen Arbeit“. Neben Umzügen und Konzerten gehörte sogar eine Rundfunkübertragung zu den Höhepunkten.
Nach Hohners Ausscheiden Ende 1934 übernahmen zunächst Hans Hohner und später Gustav Dieter die musikalische Leitung. Beide führten die Kapelle engagiert weiter und entwickelten das Repertoire kontinuierlich.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war es erneut Hans Hohner, der den Wiederaufbau einer Blaskapelle vorantrieb. Bereits 1948 stellte er eine spielfähige Gruppe zusammen, die regelmäßig bei kirchlichen Festen, Feiertagen und traditionellen Anlässen auftrat.
In den frühen 1950er Jahren entstand eine vielfältige Musikszene mit mehreren Kapellen, darunter auch eine Damenkapelle. Eine prägende Persönlichkeit dieser Zeit war Leopold Schott, der sich intensiv für den Aufbau und die Förderung der Blasmusik engagierte und später überregional erfolgreich wirkte.
Vereinsgründung und erste Jahre ...
Am 4. Oktober 1952 wurde der Musikverein Stadtsteinach im Saal der Gaststätte „Deutsches Haus“ gegründet. Bereits zur Gründung zählte der Verein 57 Mitglieder, darunter Musiker der Blaskapelle und des Spielmannszugs.
Die musikalische Leitung übernahm Hans Hohner als erster Dirigent. Gemeinsam mit der Vorstandschaft legte er den Grundstein für ein aktives Vereinsleben.
In den folgenden Jahren prägten zahlreiche Konzerte und Auftritte das Bild des Vereins. Neben öffentlichen Veranstaltungen gehörten auch soziale Engagements dazu, etwa musikalische Darbietungen für Patienten im Krankenhaus zur Weihnachtszeit.
Ab Mitte der 1950er Jahre fehlen Aufzeichnungen über die weitere Entwicklung. Der Verein scheint in dieser Zeit an Aktivität verloren zu haben. Die Musik jedoch blieb lebendig: Die Musiker trafen sich weiterhin in wechselnden Besetzungen und gestalteten verschiedene Anlässe musikalisch.
Zeit nach der Wiedergründung
1973 wurde der Musikverein Stadtsteinach auf Initiative von Josef Hohner neu gegründet. Die Kapelle startete mit 24 Musikern, darunter auch einige Gründungsmitglieder von 1952.
Unter der musikalischen Leitung von Hans Fiedler entwickelte sich der Verein schnell weiter. Josef Hohner stand ihm als erster Vorsitzender über viele Jahre vor und prägte diese Aufbauphase entscheidend.
Die Kapelle erzielte in den folgenden Jahren beachtliche Erfolge bei Wertungsspielen und wuchs sowohl musikalisch als auch organisatorisch. Die Mitgliederzahl stieg auf rund 175 Mitglieder an.
Seit 1977 gehört ein jährliches Weihnachtskonzert fest zum Vereinsleben. Ein weiterer Meilenstein war 1978 die Einweihung eines eigenen Probenraums im alten Schulhaus.
Ende der 1970er Jahre kam es mit Karl Heinz Hoffmann zu einem Wechsel in der musikalischen Leitung, wodurch die Weichen für die weitere Entwicklung des Vereins gestellt wurden.
Auf dem Weg zur Trachtenkapelle
Ein Höhepunkt war das Bundesbezirksmusikfest 1980, an dem 25 Vereine aus dem Nordbayerischen Musikbund teilnahmen und die Kapelle im Festzug sowie beim Gemeinschaftschor präsent war.
1983 feierte der Musikverein sein zehnjähriges Wiedergründungsjubiläum mit einem großen „Tag der Blasmusik“.
1985 übernahm Manfred Biedefeld den Vorsitz, Arnold Sesselmann wurde sein Stellvertreter. In diesem Jahr wurde auch das 200. Mitglied, Hans Spindler, herzlich begrüßt.
Ein weiterer Meilenstein folgte 1986 mit der Einführung einer fränkischen Tracht. Bei einem öffentlichen „Tag der Blasmusik“ stellte die Kapelle ihre neue Tracht vor und trägt seitdem den Namen „Original Fränkische Trachtenkapelle“.
1987 wurde die musikalische Leitung durch die Berufung von Max Baumgärtner und Manfred Korkisch als zweite und dritte Dirigenten ergänzt, wodurch die Kapelle weiter gestärkt wurde.
100 Jahre Musikverein und neue Herausforderungen
Im Jahr des 100-jährigen Bestehens zählte der Musikverein Stadtsteinach 263 passive Mitglieder, 27 aktive Musiker und sieben Musikschüler.
Am 21. Juli 1990 feierte der Verein ein großes Jubiläum mit Festkommers in der Turnhalle der Volksschule. Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann hielt die Ansprache, und Bürgermeister Klaus Peter Söllner empfing Vorstand, Ehrengäste und Vertreter des Nordbayerischen Musikbundes im Rathaus.
Beim Festzug traten 44 Gruppen auf, darunter 24 Musikkapellen und Spielmannszüge, und rund 750 Musiker spielten gemeinsam beim Gemeinschaftschor auf dem Sportplatz.
Ebenfalls 1990 wurde Manfred Korkisch zum ersten Dirigenten berufen. Korkisch prägte über viele Jahre hinweg maßgeblich die Entwicklung der original fränkischen Trachtenkapelle. Mit großem Engagement und Weitblick setzte er sich besonders für die Nachwuchsarbeit ein und rief ein Jugendorchester ins Leben. Weiterhin war er treibende Kraft und Organisator beim Bau des Musikheims.
Mit dem Zuwachs an Musikern Mitte der 1990er Jahre wurde der Proberaum im alten Schulhaus in Unterzaubach zu klein. Bis zu 40 Musiker, teils mit schweren Instrumenten wie Kesselpauken, teilten sich nur 70 Quadratmeter. Nachdem die Stadt das Schulhaus 1997 verkaufte, zog der Verein vorübergehend in zwei große Klassenzimmer der ehemaligen Sonderschule Stadtsteinach um, die vom Landkreis Kulmbach bereitgestellt wurden, während die Suche nach einem dauerhaften neuen Proberaum weiterlief.
Neubau des Musikheims
1997 traf der Musikverein eine richtungsweisende Entscheidung: den Bau eines eigenen Musikheims in Unterzaubach.
Bereits im Sommer fiel der Startschuss – nach dem Beschluss der Mitgliederversammlung und der Zusage eines staatlichen Zuschusses aus dem Kulturfonds Bayern.
Noch im selben Jahr begann der Bau. Auf die Grundsteinlegung im Herbst 1997 folgte im April 1998 das Richtfest. Zahlreiche Mitglieder unterstützten das Projekt mit großem persönlichem Einsatz.
Im März 1999 wurde nach Fertigstellung des Proberaums intern gefeiert, bevor im Juni 1999 die offizielle Einweihung im Rahmen eines Festwochenendes stattfand. Gleichzeitig beging der Verein sein 25-jähriges Wiedergründungsjubiläum.
Der Neubau war ein Meilenstein in der Vereinsgeschichte. Neben staatlicher Förderung machten vor allem Eigenleistungen sowie zahlreiche Geld- und Sachspenden das Projekt möglich. Insgesamt investierte der Verein rund 550.000 DM in sein neues musikalisches Zuhause.
Der Musikverein im 21. Jahrhundert
Mit dem Start ins neue Jahrtausend entwickelte sich der Musikverein konsequent weiter und ging neue Wege. Als Ergänzung zum Blasorchester entstand im Jahr 2000 der Chor „Akusica“, der beim Weihnachtskonzert erstmals auftrat und fortan das musikalische Angebot bereichert.
Auch personell gab es Veränderungen: Nach vielen Jahren an der Spitze übergab Manfred Biedefeld 2003 den Vorsitz. Ihm folgten Roland Wolfrum und später Klaus Zahner, der sich mit großem Engagement für Verein und Chor einsetzte. Biedefeld wurde für seine Verdienste im Jahr 2014 zum Ehrenvorsitzenden des Musikverein Stadtsteinach ernannt.
In der musikalischen Leitung sorgten mehrere Dirigentenwechsel für neue Impulse. Ab 2012 prägte Christoph Hohlweg in dieser Funktion die Entwicklung des Orchesters.
Ein fester Bestandteil des Vereinslebens sind die gemeinsamen Weihnachtskonzerte von Chor und Orchester. Unter dem Titel „Stanicher Adventszauber“ finden sie seit 2010 jährlich in der Pfarrkirche statt.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Nachwuchsarbeit: Seit 2013 engagiert sich der Musikverein gemeinsam mit der Städtischen Musikschule Kulmbach im Projekt „Musik ohne Schranken“. In Zusammenarbeit mit der Grundschule werden Kinder früh an Musik herangeführt – sowohl instrumental als auch im Gesang. Erste Erfolge zeigten sich bei Auftritten des Jugendchors und der Bläserklassen in den Jahren 2014 und 2015.
Im Jahr 2015 feierte der Musikverein Stadtsteinach sein 125-jähriges Bestehen mit einem besonderen Jubiläumskonzert in der Steinachtalhalle. Die Besucher erlebten eine musikalische Zeitreise durch die Vereinsgeschichte, eindrucksvoll inszeniert durch Kapelle und Chor mit einer Kombination aus Bild- und Videoshow sowie passender musikalischer Begleitung.
Generationswechsel
2017 erfolgte ein bedeutender Generationswechsel in der Vorstandschaft: Klaus Zahner übergab den Vorsitz an Marcel Ott. Gemeinsam mit Christian Witzgall und Bürgermeister Roland Wolfrum wurde die Führung deutlich verjüngt und die Zukunft des Vereins in neue Hände gelegt.
In dieser Phase kam es auch zu einer strukturellen Veränderung: Der Chor „Akustica“ löste sich vom Musikverein und gründete als eigenständiger Gesangsverein „SANVoices“ eine neue musikalische Heimat.
Auch in der musikalischen Leitung setzte sich der Wandel fort. Dirigent Hohlweg, der die „Original Fränkische Trachtenkapelle“ insbesondere im böhmischen Stil maßgeblich geprägt und weiterentwickelt hatte, übergab 2022 den Dirigentenstab an Florian Teig.
Dieser führt die Kapelle seither mit großer Leidenschaft weiter, verbindet traditionelle böhmische Blasmusik mit modernen, konzertanten Elementen und gestaltet unter anderem die beliebten Adventskonzerte in Stadtsteinach sowie in der Kulmbacher ULF Kirche.
Der jüngste Höhepunkt war das 135-jährige Jubiläum des Musikvereins, das mit einem großen Fest an der Steinachtalhalle gefeiert wurde. Zahlreiche Gastvereine aus der Region sowie aus dem Elsass unterstrichen dabei die enge musikalische Verbundenheit über die Grenzen hinaus.
Wir sind stolz auf unseren Musikverein.
Blasmusik verbindet.






























































